10 Tipps und Hilfe für eine gute Scheidung

Tipps zur Scheidung

Ob eine Scheidung schnell und kostengünstig durchgeführt werden kann, hängt nicht zuletzt von einer besonnenen und gut durchdachten Vorbereitung ab. Man sollte trotz der emotional zumeist äußerst angespannten Situation nichts überstürzen und das vom Gesetz vorgegebene Trennungsjahr ausschöpfen. Schnellschüsse führen meist ins absolute Chaos, beide Ehepartner verlieren den Überblick und verrennen sich auf immer neue Nebenkriegsschauplätze. Das sind die Scheidungen, welche dann im sog. Rosenkrieg enden, obwohl es mit ein bisschen Zeit und Verstand nicht dazu hätte kommen müssen. Und jetzt mal ehrlich, wer freut sich über eine teure Scheidung am meisten? Sie wissen es.

Beginnen wir mit angekündigten Tipps, damit auch Ihre Scheidung nicht zum Rosenkrieg wird:

  • Keine Eile und nicht gleich zum Anwalt rennen, ist die Devise.

Versuchen sie miteinander zu kommunizieren. Reden ist Gold in Trennungssituationen.
Sie müssen unbedingt versuchen, die wichtigsten Dinge selbst zu regeln, denn keiner kennt Ihre persönliche Situation besser, als sie selbst. Verrennen Sie sich nicht in Nebensächlichkeiten, sondern regeln sie zunächst die wichtigen Dinge. Eine Scheidung muss nicht unbedingt sofort erfolgen, sowas hat Zeit. Und vor allem sehen sie davon ab, schon zu Beginn einen Anwalt einzuschalten, es sei denn, eine „Notsituation“ lässt ihnen keine andere Wahl. Aus unserer Erfahrung heraus trägt der frühzeitige Gang zum Anwalt nicht zur Entspannung der Situation bei. Es wird sicher auch davon abhängen, welchen Rechtsanwalt sie erwischen. Zumeist führt aber bereits die einseitige Beauftragung zu einem unwiederbringlichen Vertrauensverlust zwischen den Eheleuten. Dies ist besonders schlimm, wenn Kinder beteiligt sind.

  • Leiten sie die Trennungsphase ein.

Damit eine Trennungsjahr als Voraussetzung einer Scheidung überhaupt beginnt, muss eine Trennung erfolgen. Es ist nicht notwendig, dass die Trennung dokumentiert oder irgendwo angemeldet wird. Es reicht sogar, wenn sie innerhalb der gemeinsamen Wohnung in getrennten Räumen schlafen und nach Möglichkeit auch getrennt die Mahlzeiten einnehmen. Prüfen wird das später keiner aber es ist zumindest eine rechtliche Voraussetzung für die Scheidung.

  • Denken sie an einen Ehevertrag/ eine Trennungsvereinbarung.

Die meisten klärungsbedürftigen Folgesachen der Ehescheidung, ja eigentlich auch alle, lassen sich prima in einem Ehevertrag (auch gern als Trennungsvereinbarung bezeichnet) regeln. Wer bleibt in der Wohnung/dem Haus? Bei wem bleiben die Kinder/bleibt das Kind? Wer bekommt den Hund? Wie werden die Möbel und der Hausrat aufgeteilt? Wer behält das Auto? Was wird mit dem gemeinsamen Konto bei der Bank? Wer zahlt eventuelle Kredite weiter? Fragen über Fragen, die unbedingt beantwortet werden müssen. Es hat sich hier bewährt, eine schriftliche und für alle Seiten verbindliche Regelung zu treffen. So werden die Fronten geklärt und man kann sich auf andere ebenfalls wichtige Dinge konzentrieren.

  • Reichen sie die Scheidung ein.

Etwa 1-2 Monate vor Ablauf des Trennungsjahres kann die Scheidung eingereicht werden. Wenn sie den bisherigen Ratschlägen gefolgt sind, ist im gerichtlichen Scheidungsverfahren nichts weiter zu regeln. Es gibt nur eine sog. Folgesache, die der Gesetzgeber in Deutschland sozusagen zwangsweise dem Scheidungsverfahren anhängt. Es handelt sich um den Versorgungsausgleich. Dazu später mehr. Das Scheidungsverfahren dauert nun zwischen 2 und 8 Monate, je nach Arbeitsweise des Gerichts und der Frage, ob die Scheidung mit oder ohne Versorgungsausgleich stattfindet.

  • Sie brauchen nur einen Rechtsanwalt.

Wenn die Scheidung von beiden Ehepartnern gewollt bzw. akzeptiert wird, reicht es völlig aus, wenn nur ein Rechtsanwalt beauftragt wird. Da heißt in der Praxis, dass sich der Ehepartner, der die Scheidung einreicht, einen Rechtsanwalt nimmt und der andere, der der Scheidung lediglich zustimmt, keinen eigenen Anwalt beauftragt. Im Scheidungstermin vor dem Amtsgericht erscheinen dann also nur die beiden Eheleute mit einem Anwalt. Das man dadurch schonmal die Hälfte der sonst erforderlichen Rechtsanwaltsgebühren spart, liegt auf der Hand. Gerade die Gebühren der Anwälte machen beim Scheidungsverfahren im Vergleich zu den Gerichtskosten den Löwenanteil aus.

  • Online-Scheidung, was ist das?

Seit vielen Jahren, man kann schon bald von Jahrzehnten sprechen, wird die sog. Online-Scheidung im Internet angeboten. Online erfolgt dabei der Auftrag an den Anwalt und die gesamte notwendige Korrespondenz. Ein Scheidungstermin vor dem Amtsgericht findet aber trotzdem statt. Denn kann man ihnen zumindest derzeit noch nicht ersparen, außer Sie leben dauerhaft im Ausland oder sind aus gesundheitlichen Gründen verhindert. Die Online-Scheidung kann, und das hat ein Obergericht mittlerweile bestätigt, als schnell, kostengünstig und bequem bezeichnet werden. Die Erfahrung lehrt, dass dem auch so ist. Wer nimmt schon gern Anwaltstermine wahr. Da fällt mir ein, ich hoffe schon lange auf den Durchbruch von Online-Zahnbehandlungen, wohl auf immer und ewig vergebens. Jedenfalls bieten auch wir seit dem Jahr 2000 die Online-Scheidung an. Bei Interesse können sie sich auf unserer Website über den Ablauf und die Kosten der Scheidung informieren. In einem kostenlosen eBook haben wir alles noch einmal zusammengefasst.

  • Muss der Versorgungsausgleich sein?

Der im Scheidungsverfahren gesetzlich vorgeschriebene Versorgungsausgleich hat nichts mit Unterhalt oder Vermögen zu tun. Es geht um den Ausgleich der während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften in der gesetzlichen und privaten Rentenversicherung. Letztlich erhält jeder Ehepartner vom anderen die Hälfte von dessen Rentenanwartschaften übertragen. Im Ergebnis verfügen dann beide Eheleute, auf die Ehezeit bezogen, über gleich hohe Rentenanwartschaften. Haben nun beide während der Ehe in etwa gleiche viel verdient, macht der Versorgungsausgleich keinen Sinn. Man kann diesen dann durch einen notariellen Vertrag (Verzichtsvertrag) ausschließen. Wenn die Einkommen während der Ehe aber erhebliche voneinander abwichen und Kindererziehungszeiten im Spiel sind, sollte auf den Versorgungsausgleich zumindest nicht leichtfertig verzichtet werden. Hier empfiehlt es sich, zunächst abzuwarten, bis vom Gericht unter Beteiligung der Rentenversicherung berechnet wurde, welche Anwartschaften jeder Ehepartner überhaupt erworben hat. Dann kann man immer noch entscheiden, ob ein gegenseitiger Verzicht Sinn macht.

  • Mitwirkung vor und im Scheidungsverfahren ist sinnvoll.

Im laufenden Scheidungsverfahren empfiehlt es sich, auf Verfügungen des Gerichtes möglichst schnell zu reagieren, angeforderte Unterlagen schnell einzureichen und Auskünfte zügig zu erteilen. Zum einen kann bei mangelnder Mitwirkung ein Zwangsgeld und letztlich sogar eine Zwangshaft verhängt werden. Zum anderen wird das Scheidungsverfahren so erheblich beschleunigt. Es hat sich auch als sinnvoll erwiesen, bereits im Vorfeld der Scheidung einen Antrag auf Kontenklärung bei der deutschen Rentenversicherung einzureichen. Dann sind die während er Ehe angefallenen Anwartschaften im Scheidungsverfahren wesentlich schneller zu ermitteln. Das spart wiederum wertvolle Zeit.

  • Vorbereitung auf den Scheidungstermin ist zu empfehlen.

Der Scheidungstermin vor dem Amtsgericht bildet den Abschluss des Scheidungsverfahrens. Bei einer ganz normalen Scheidung findet auch nur ein Gerichtstermin statt. Dieser dauert in der Regel keine 15 Minuten. Es handelt sich um einen nicht öffentlichen Termin, d.h. außer dem Richter/der Richterin, den beiden Eheleuten und einem oder zwei Anwälten befindet sich niemand im Raum. Zu Beginn wird zumeist die Vorlage der Personalausweise und des Originals der Heiratsurkunde verlangt. Diese Dokumente sollten also bereitliegen. Dann befragt des Gericht die Eheleute zum Trennungszeitpunkt und eventuellen Versöhnungsversuchen. Letztlich stellt der anwesende Anwalt den Scheidungsantrag (mündlich) und der andere Ehepartner sollte dem zustimmen. Am Ende wird der Scheidungsbeschluss (früher nannte der sich Scheidungsurteil) verkündet. Diese Verkündung ist öffentlich, d.h. es könnten Zuschauer eintreten, was aber in der Regel nie der Fall ist. Die Scheidung ist damit ausgesprochen aber noch nicht rechtskräftig.

  • Wie wird die Scheidung rechtskräftig?

Der Scheidungsbeschluss wird, einen Monat nach seiner Zustellung per Post rechtskräftig. Den einen Monat muss man warten, denn erst dann kann das Amtsgericht den Scheidungsbeschluss als rechtskräftig „abstempeln“. Die Scheidung ist damit endgültig abgeschlossen. Wenn am Scheidungsverfahren 2 Rechtsanwälte beteiligt sind, kann man im Scheidungstermin auf diesen Monat (sog. Rechtsmittelfrist) verzichten. Ist nur ein Rechtsanwalt zugegen, geht das so nicht. Wir haben dafür aber einen Service zur Einlegung eines Rechtsmittelverzichtes online gestellt.

Weitere Tipps und Tricks zur Scheidung und Videos zum Scheidungs- und Familienrecht stellen wir Ihnen gern kostenlos zur Verfügung.

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3 Gedanken zu „10 Tipps und Hilfe für eine gute Scheidung

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